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PODCAST #27

Diana Gajic

Personalerin mit Adaptionsquotient

Geburtsort

Krusevac, Serbien

Geburtstag

1986

Anfänge

Immer unterschätzt

Heute

People positive
“Ich müsste den Menschen, die an mir gezweifelt haben, danken. Sie haben mich stark gemacht.“

Diana Gajic im MyGrandStory Podcast

Diana Gajics GrandStory

Diana Gajic war zu still. Sie war zu schüchtern. Das Kind einer Arbeiter- und Migrationsfamilie. Und obwohl sie hervorragende Noten abgeliefert und viele Talente gezeigt hatte, ist sie am Ende doch immer unterschätzt worden. Wie fasst man dabei Zutrauen zu sich selbst? „Ich habe sehr viel Erfahrung mit Vorurteilen aller Art gemacht“, erzählt Diana im MyGrandStory-Podcast. Und klingt dabei ganz souverän. Denn all die Klischees, die Benachteiligungen und Zurückweisungen hätten bei ihr eher eine Stärke herausgefordert, und einen inneren Motivator geweckt: Prove them wrong, Girl!

Dieses Motto hat sie bis ins (mittlerweile berühmte) Walldorf geführt, bei SAP ist Diana Gajic heute Senior Executive Recruiter EMEA/MEE und Teil der Global Executive Talent Attraction Organisation. Und damit Kollegin von Cawa Younosi und zuständig für das Recruiting von Führungskräften weltweit, die Personaldiagnostik und das Coaching für Führungskräfte.

„Personalarbeit hat mich schon während meiner Studienzeit fasziniert“ erzählt Diana „das ist meine Passion: Ich will mit Menschen und ihren Anliegen arbeiten“. Nach dem Abitur in Bonn macht sie erstmal eine Ausbildung zur Industriekauffrau („Was Sicheres in der Hand, das ist typisch Arbeiterfamilie!“) und als sie es sich endlich zutraut, zu studieren, schreibt sie sich ein an der Bonn-Rhein-Sieg Universität für BWL mit Spezialgebiet Human Resources, schließt dem noch eine Ausbildung zur systemischen Coachin an und startet 2017 bei der Telekom ins Berufsleben.

Diana musste in Deutschland nie „ankommen“, auch wenn sie in einem kleinen Ort in Serbien geboren wurde, aufgewachsen ist sie in Bonn Bad-Godesberg. Das war Ende der 80er Jahre, als Dianas Eltern und Großeltern hierherzogen, noch Deutschlands Bundeshauptstadt, belebt durch Botschaften und Diplomatenfamilien aus aller Welt. In dieser internationalen Mischung auch in ihrem Gymnasium, war sie ganz selbstverständlich eingebettet. Und das war, wie sie sagt, die glücklichste Zeit ihres Lebens. „Da ging es nicht um Gesellschaftsschichten und Status der Familien, sondern darum, wie spannend unterschiedlich die Herkunftsländer sind“, erzählt Diana.

Ihre eigene serbische Kultur, die Sprache, ihre Musik wurde zuhause ganz selbstverständlich gepflegt. „Ich habe schöne Erinnerungen an meine Kindheit“ sagt Diana Gajic, auch wenn die Eltern am Fließband arbeiteten, wegen Schichtdiensten wenig Zeit hatten für die drei Kinder und zu wenig finanzielle Sicherheit geben konnten, Diana spürte immer ihre Unterstützung. Und heute bewundert sie ihre Resilienz, die Kraft mit der die Eltern physisch und psychisch dieses neue, unbekannte Leben in Deutschland angepackt haben.

„Natürlich hat mich das ganz stark geprägt“ erklärt Diana „ich hatte Glück, ja, aber der größte Teil von dem, was ich erreicht habe, ist durch Fleiß entstanden und großem Engagement“. Immer dranbleiben, nicht nachlassen, das Leben gestalten, nicht in die Opferrolle fallen, alles wahrnehmen, was es an Angeboten für Förderung gibt – „es gibt zwar keine Bildungsgleichheit in Deutschland, aber viel Hilfe, um weiter zu kommen. Man muss sich nur darum kümmern!“

Wer mit Diana arbeitet, erlebt sie als empathische Coachin. Als ob es eine natürlich Kombi wäre, führt sie ihre Herkunftserfahrung mit den drängenden Themen der heutigen Personalentwicklung zusammen: Was genau nehmen wir bei Mitarbeiter:innen wahr, erkennen wir Stereotype, die uns bremsen, oder unconscious Bias und festgefahrene Denkmuster? Wie erleben wir diverse Teams, welche Probleme haben wir in der Kommunikation und Konfliktbewältigung?

„Das derzeit spannendste Thema in der Arbeitspsychologie ist für mich der AQ“ erklärt Diana, „…der Adaptability Quotient, der die Fähigkeit des Menschen misst, sich auf Veränderungen einlassen zu können und sich in Krisenzeiten zurecht zu finden.“ Für Diana Gajic ein Schlüsselmoment: Genau diese besonderen Qualitäten, sagt sie, bringen Kinder aus Migrationsfamilien mit. Dass sie zum Beispiel den Mut haben, etwas als Erste zu tun. Eine besondere Schulbildung etwa, oder eine Berufsrichtung einschlagen, ganz ohne die Möglichkeit auf elterliche Kontakte und Ratschläge zurückgreifen zu können. Dass sie durch verschiedene Kulturen navigieren, sich schnell und flexibel auf neue Situationen einstellen können. Dass sie vielen (unsichtbaren) Hindernissen begegnen, denen sie sich stellen und nicht so leicht aufgeben. Das hat sie alles selbst erlebt, oder eher „das Leben hat mich dazu gezwungen“ und jetzt ist es ein Mehrwert auch für andere. „Ich kann vielen Menschen dabei helfen, ein schöneres, erfüllteres Leben zu führen!“ You prove them right, Girl!

Text: Andrea Ketterer

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