Navid Kermani

Weltgewandter Sprachästhet

Geburtsort

Siegen, Deutschland

Geburtstag

27. November 1967

Anfänge

Viertgeborener Sohn iranischer Einwanderer

Heute

Preisgekrönter Schriftsteller, weitgereister Journalist und habilitierter Orientalist
„Ein Schriftsteller will keinen Ruck erzeugen, sondern sich langfristig in den Herzen und Köpfen der Leser verankern.“
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Navid Kermanis GrandStory

Navid Kermanis Vater hat jahrzehntelang als Arzt im Krankenhaus in Siegen gearbeitet. Und auch seine drei älteren Brüder wurden allesamt Ärzte. Nicht so der jüngste, Navid, der bereits als 15jähriger bei der Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau arbeitete und für 20 Pfennig pro geschriebener Zeile erste Erfahrungen als Journalist sammelte.

Er studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in den nahen Städten Köln und Bonn und entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Koryphäe.

Allein der Titel seiner Dissertation „Gott ist schön“ lässt erahnen, welchen lebensbejahenden Wert Kermani der sprachlichen Ästhetik zuschreibt.

Als Kind iranischer Einwanderer im Siegerland aufgewachsen war Navid gerade nicht fremd im eigenen Land, sondern absorbierte über seine Sprachfertigkeit die kulturelle Vielschichtigkeit, die seiner Migrationsgeschichte innewohnt.

Seine Romane, aber auch seine journalistischen Reportagen, zeitigen ein Bild Deutschlands und des Mittleren Ostens, das in dieser Form nur von einem Wandler, einem Mediator zwischen den Kulturkreisen entwickelt werden kann. Bezeichnender als einer seiner Buchtitel kann man seine Lebensgeschichte nicht auf den Punkt bringen: Zwischen Koran und Kafka.

Wer ist Navid Kermani?

Navid Kermani ist ein renommierter und vielfach ausgezeichneter deutsch-iranischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und Geisteswissenschaftler.

Er wurde 1967 in Siegen als viertes Kind iranischer Einwanderer geboren und studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Köln, Kairo und Bonn.

1998 wurde er an der Universität Bonn promoviert sowie im Jahr 2006 habilitiert. Als Gastprofessor lehrte er an den Universitäten in Göttingen, Frankfurt am Main, Mainz sowie am Dartmouth College in den USA. Er lebt in Köln und ist Vater von zwei Töchtern.

Was macht Navid Kermani außergewöhnlich?

Als einer der großen Intellektuellen in der Mittlerrolle zwischen Okzident und Orient hat Navid Kermani als Journalist und als Schriftsteller über die letzten 20 Jahre hinweg eine schiere Unzahl von Auszeichnungen erhalten.

Für seine Romane, Essays, Reportagen und Monographien erhielt er unter anderem den Hessischen Kulturpreis 2009, die Buber-Rosenzweig-Medaille 2011, den Hannah-Arendt-Preis 2011, den Kleist-Preis 2012, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015, den Bürgerpreis der deutschen Zeitungen 2016 sowie den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2017.

Warum hat Navid Kermani eine GrandStory?

Im Mai 2014 hielt Navid Kermani eine aufsehenerregende und emotionale Rede zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes.

Gleich zu Beginn verwies er darauf, dass es in der Einzigartigkeit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland begründet liegt, dass „heute ein Kind von Einwanderern an die Verkündung des Grundgesetzes erinnert, das noch dazu einer anderen als der Mehrheitsreligion angehört“.

Kermani, in Siegen geboren und dort zur Schule gegangen, in Köln und Bonn studiert, promoviert und habilitiert, fungiert als Blaupause nicht nur für gelungene Integration, sondern als Stimme einer pluralen und kosmopolitischen Gesellschaft.

Kermani hat in einer Vielzahl von Romanen, Essays und Reportagen unter Beweis gestellt, dass er zu den intellektuellen Schwergewichten Deutschlands gehört. Aber ist er nun ein Belletrist oder ein Reporter, der die Geschichten der Menschen vor Ort hautnah erlebt und erzählt?

Ihm gelingt das große Kunststück, beide Schreibstile in Reinform zu beherrschen und das jeweils andere Ufer mit wissenschaftlicher Expertise oder geschliffener Ausdrucksweise zu ergänzen.

Als habilitierter Orientalist und Gastprofessor an mehreren deutschen und internationalen Universitäten gilt Kermani als großer Mittler zwischen Orient und Okzident, ähnlich wie unsere weitere GrandStory, Karim El-Gawhary, sowie als Botschafter zwischen den Kulturen und Religionen.

Gerade weil er bilingual aufgewachsen ist und als Muslim im protestantisch geprägten Siegen kulturelle Diversität von Kindesbeinen erfuhr, verleiht er in seinen Texten der vermeintlich harten deutschen Sprache eine schier unendliche melodische Tiefe.

Foto Navid Kermani: (c) Halim Dogan

Weiterführende Artikel zu Navid Kermani:

Navids eigene Website
Wikipedia-Eintrag
SWR 1: Einer der einflussreichsten Intellektuellen
Deutschlandfunk: „Das größte Problem ist die Enthemmung der Meinung“
Deutschlandfunk: „Ich hoffe auf die Iraner selbst“

Abir Haddad

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